Die Osteoporose

Osteoporose ist eine systemische Knochenerkrankung mit verminderter Knochenmasse und Verschlechterung der Mikroarchitektur. Es ist ein Verlust von Trabeculae in der Spongiosa, oft auch eine Verdünnung der Corticalis nachweisbar. Dies führt zu einem Anstieg der Frakturrate auch bei Niedrig-Energie-Traumata.

Die klinische Bedeutung der Osteoporose ist das Auftreten von Frakturen und deren Folge. Sind osteoporose-bedingte Frakturen bereits aufgetreten sprechen wir von manifester Osteoporose.

Die alte WHO-Definition (1994) der Osteoporose (Knochendichte-Grenzwert T-score < -2,5) wird zwar nachwievor vor allem aus epidemiologischen Gründen angewandt, spielt aber für die Therapie-Indikation nach Leitlinien (DVO) keine Rolle.

Ursachen und Risikofaktoren

Das Verständnis der multifaktoriellen Entstehung ist nicht nur zur Therapiewahl, sondern bereits im Sinne eines Risiko-Assessments essentiell, da letzteres in die Therapie-Indikation eingeht. Prinzipiell sind genetische Faktoren, endokrinologische, systemisch-entzündliche Erkrankungen, Therapie-Nebenwirkungen, Lebensweise (gegebenenfalls auch krankheitsbedingte Fehlernährung und Immobilisationen, Nikotinkonsum) ursächlich. Insofern ist für den Rheumatologen vor allem die Osteoporose bei entzündlichen Systemerkrankungen von Relevanz. Die erhöhte Osteoporose-Gefahr ist insbesondere für die Rheumatoide Arthritis, die axiale Spondyloarthritis und den systemischen Lupus erythematodes wissenschaftlich erwiesen Corticosteroide und Aromatasehemmer sind die stärksten medikamentösen Risikofaktoren.

Diagnostik

Zur Abklärung einer Osteoporose ist neben Anamnese, körperlicher Untersuchung, eventuell (bei Verdacht) Labordiagnostik auch eine Knochendichtemessung erforderlich. Zur Knochendichtemessung gibt es nur für die Dual-X-Ray Absorbtiometrie (DXA-Verfahren) an LWS und proximalem Femur genügend wissenschaftliche Evidenz für zuverlässige Risikovorhersage, Therapie-Indikation und Verlauf (Empfehlungsgrad A nach DVO-Leitlinien).

Prophylaxe und Therapie

Zur Prophylaxe gehört neben der Senkung der Risikofaktoren soweit möglich insbesondere sportliche Betätigung, Muskelaufbau und diätetische Maßnahmen.

  • Die Empfehlungen zur Calcium-Einnahme wurden gesenkt aufgrund von Studien über ein erhöhtes Risiko cerebraler Insulte unter Hochdosis-Supplementation. Die jetzt empfohlene Calcium Gesamteinfuhr sollte 1000 mg/d betragen.
  • Es wird eine Vitamin-D Versorgung mit 800 -1000 IU/d empfohlen.
  • Selbst wenn eine medikamentöse Therapie nach DVO- Leitlinien indiziert ist, sollten die genannten prophylaktischen Maßnahmen additiv fortgesetzt werden.

Die zur Verfügung stehenden medikamentösen Therapien mit hohem Empfehlungsgrad haben in den letzten Jahren zugenommen. Neben oralen und intravenösen Bisphosphonaten wie Alendronat, Risedronat, Ibandronat und Zolendronat sowie  Antikörper gegen intrazelluläre Botenstoffe (RANKL-Antikörper – Denusomab) mit hemmender Wirkung auf den Knochenabbau stehen auch Substanzen mit knochenaufbauender Wirkung wie rekombinante Parathormon-Anteile (z.B. Teriparatid), Östrogene und Substanzen mit selektiv östrogen-ähnlicher Wirkung (z.B. Raloxifen), sowie Antikörper gegen Sklerostin (Romosozumab) zur Verfügung. Zur Indikation und Differential-Therapie verweisen wir auf
http://dv-osteologie.org/dvo_leitlinien/dvo-leitlinie-2017

Dr. Ino K. Gao
Internist/ Rheumatologie, Osteologe DVO
Schwerpunktpraxis Rheumatologie, Heidelberg

Kontakt

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