Leitsymptome bei Kollagenosen

Kollagenosen sind seltene, entzündliche Bindegewebserkrankungen. Die Beschwerden können vielgestaltig sein, sodass die Diagnosestellung oftmals nicht ganz einfach ist und meist eine umfangreiche apparative sowie laborchemische Diagnostik mit Bestimmung spezieller Antikörpererfordert. Auch unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, verminderte Leistungsfähigkeit, Gewichtsverlust oder Fieber können auf eine Kollagenose hinweisen. Manche Symptome wie Gelenk-, Muskelschmerzen, neurologische Symptome (z.B. Polyneuropathie) oder das Raynaud-Phänomen (Weiß-, Blau-, Rotverfärbung der Finger/Zehen) können bei unterschiedlichen Kollagenosen auftreten, andere Symptome sind spezifisch für bestimmte Kollagenosen. Da alle Organsysteme betroffen sein können, arbeitet der Rheumatologe je nach Beschwerdebild eng mit anderen Fachärzten zusammen: Haut-, Lungen-, Augenärzten, Kardiologen, Angiologen, Nephrologen, Gastroenterologen, Neurologen und Radiologen.

Beim systemischen Lupus erythematodes (SLE) zeigen sich oft charakteristische Haut- und Schleimhautauffälligkeiten, z.B. ein Schmetterlingserythem im Gesicht, eine stark sonnenlichtempfindliche Haut, lokaler Haarverlust und Schleimhautgeschwüre. Hinweise für eine Beteiligung innerer Organe sind der Nachweis von Blut und Eiweiß im Urin, eine Verminderung der Nierenfunktion, Rippenfell-, Herzbeutel-, Herzmuskel- und Herzklappenentzündungen. Auch neurologische Symptome oder Thrombosen können bei einem SLE auftreten. Das Überleben von Blutzellen kann beim SLE durch Autoimmunreaktionen vermindert sein. So kann z.B. die Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und der Blutplättchen (Thrombozyten) deutlich sinken und zu einer erhöhten Infekt- und Blutungsneigung führen.

Selten ist mit dem SLE ein sog. Antiphospholipidsyndrom (APS) verbunden. Hierbei handelt es sich um eine Reaktion des Immunsystems gegen Blut- und Zellfaktoren, die zur Verlegung von Venen und Arterien (Thrombosen/Embolien), zu Schlaganfällen und Schwangerschafts-komplikationen bis hin zum Verlust des Kindes führen können.

Bei der systemischen Sklerose/Sklerodermie und der Unterform des CREST-Syndroms (Calcinosis cutis, Raynaud-Phänomen, E/Ösophagusmotilitätsstörung, Sklerodaktylie und Teleangientasien) handelt es sich um eine Kollagenose, die zu einer bindegewebigen Durchsetzung der Haut und manchmal auch der inneren Organe führt. Entsprechend bemerkt der Patient neben dem oben bereits erwähnten Raynaud-Phänomen eine Hautverdickung und Verhärtung vornehmlich über den Fingern. Der Mund kann verengt (Tabaksbeutelmund), das Zungenbändchen verdickt und die Hautgefäße an Wangen und Dekolleté erweitert (Teleangiektasien) sein. Die Patienten berichten von Schluckstörungen, wenn die Speiseröhre (der Ösophagus) mitbetroffen ist. Besonders problematisch sind die bindegewebige Durchsetzung der Lungenbläschen und die damit einhergehende Entwicklung einer Lungenfibrose. Bei voranschreitender Lungenfibrose kommt es durch eine verminderte Sauerstoffaufnahme in das Blut, zur Belastung des rechten Herzens und zu einem Rechtsherzhochdruck mit Luftnot. Kritisch ist auch eine Nierenbeteiligung, die krisenhaft verlaufen kann.

Das Sjögren-Syndrom kann als eigenständige Erkrankung (primäres Sjögren-Syndrom) oder im Rahmen einer anderen Erkrankung (sekundäres Sjögren-Syndrom) auftreten. Bei dieser Kollagenose dominiert die Trockenheit der Augen, des Mundes und der Genitalregion (Sicca-Symptomatik). Das Sjögren-Syndrom kann u.a. zu Fremdkörpergefühl in den Augen, Augenrötung, Schluckbeschwerden, und Speicheldrüsenschwellung führen und für den Patienten sehr belastend sein.

Es gibt unterschiedliche Verlaufsformen des Sjögren Syndroms; auch innere Organe wie das Herz, die Lunge, die Niere und die Haut können betroffen sein. In seltenen Fällen kann sich im Verlauf ein Lymphom (Tumor der Lymphknoten) entwickeln.

Bei der Dermatomyositis und der Polymyositis sind die Hauptsymptome der Muskelschmerz und die Muskelschwäche bei Belastung, vornehmlich der stammnahen Muskulatur an Oberarmen, Oberschenkeln und der Gesäßregion. Typische Hauterscheinungen bei der Dermatomyositis sind rötliche Verfärbungen v.a. an Licht-exponierten Stellen (Gesicht und Dekolleté). Darüber hinaus können die Patienten lilafarbene Veränderungen um die Augen; gerötete und derbe Veränderungen der Haut über den Fingergelenken, Einrisse (Rhagaden) und offene Stellen an den Fingerkuppen sowie kleine Einblutungen im Nagelfalz entwickeln. Bei den immunologisch bedingten Muskelentzündungen kann die Lunge mitbetroffen sein. Die Dermatomyositis tritt häufig bei Tumorerkrankungen auf, daher muss bei der Diagnosestellung auch gezielt nach einem Tumor gesucht werden.

Bei der Mischkollagenose (Sharp- / Overlap-Syndrom) treten verschiedene Symptome unterschiedliche rheumatischer Erkrankungen gleichzeitig auf. So können sich Gelenkentzündungen wie bei der Rheumatoiden Arthritis in Kombination einzelner Symptome von unterschiedlichen Kollagenosen nachweisen lassen, z.B. des systemischen Lupus, der Sklerodermie und der Dermatomyositis.

Therapie

Ziel der Therapie ist, die krankheitsverursachenden Entzündungsprozesse möglichst vollständig zu hemmen. Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) kommen zur Linderung von Gelenkbeschwerden und Schmerzen zum Einsatz. Cortison wird in der Akutsituation zur schnellen Besserung der Beschwerden gegeben. Zur längerfristigen Therapie und Cortisoneinsparung werden immunmodulierende (Hydroxychloroquin) und immunsuppressive Substanzen (Methotrexat, Azathioprin, Leflunomid) eingesetzt. Bei schweren  Verläufen wird auch Cyclophosphamid oder Mycophenolat gegeben.

Biologika sind gentechnische hergestellte Eiweiße, die gezielt bestimmte entzündungsfördernde Prozesse blockieren. Sie kommen bei der Therapie von Kollagenosen bisher eher selten zum Einsatz. Bei Myositiden kann Rituximab, beim SLE auch Belimumab verabreicht werden. Immunglobuline haben ihre Bedeutung bei der Therapie der Myositiden. Bei starkem Raynaud-Syndrom kann die Gabe von Medikamenten zur Durchblutungsförderung notwendig sein. Auch stehen spezielle Medikamente zur Senkung des Blutdrucks im Lungenkreislauf zur Verfügung. Erfreulicherweise werden immer weitere Medikamente für die Therapie der Kollagenosen entwickelt. Einige Symptome von Kollagenosen können symptomatisch behandelt werden, z.B. die Augentrockenheit durch Gabe von künstlicher Tränenflüssigkeit, die Mundtrockenheit durch speichelanregende Lutschtabletten. Die Raynaud-Symptomatik kann durch Tragen von Handschuhen und Kälteschutz gelindert werden, Sonnenlichtempfindlichkeit durch Auftragen von Cremes mit hohem Sonnenschutzfaktor.

Neben der medikamentösen Therapie sind je nach Krankheitsmanifestation ergänzend therapeutische Maßnahmen wie Physiotherapie, Ergotherapie, psychosoziale Unterstützung – auch zur Erlernung von Schmerzbewältigungs-strategien – und die Anbindung an Selbsthilfegruppen sinnvoll. Manche Symptome wie z.B. die chronische Müdigkeit, Abgeschlagenheit sind z.T. schwer zu beeinflussen. Erfreulicherweise konnte aber insgesamt die Prognose der Kollagenosen durch die Vielzahl der heutigen Therapieoptionen erheblich verbessert werden, auch bei den schwer verlaufenden Formen.

Dr. Verena Schmitt, Dr. Ines Dornacher, Heidelberg

Kontakt

Rheumazentrum-Heidelberg Medizinische Klinik (Krehl-Klinik) Prof. Dr. med. H. M. Lorenz

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